Donnerstag, 9. Oktober 2014

Über Chaos im Nahen Osten, verlorene Kämpfe in Hong Kong und Palmöl

Über Chaos im Nahen Osten, verlorene Kämpfe in Hong Kong und Palmöl



Hallo und willkommen zum News-Flash am Mittwoch... am Donnerstag. Wegen dem Special zu Ebola gestern gibt es heute noch einmal einen normalen Flash für euch. Dann wollen wir mal.


Naher Osten? Was passiert da bitte schön?


Warum kann eine Terrormiliz trotz Luftangriffen der NATO weiterhin auf Kobane an der türkischen Grenze vorrücken?
Die Antwort ist einfach. Die ISIS-Führung weiß wie ihre Gegner arbeiten. In hart umkämpften Gebieten, gerade in Städten,  ist die genaue Lokalisierung von Feindeinheiten schwierig, da sie aus der Luft oft nicht von den verbündeten Kräften unterschieden werden können, denn, anders als unsere Armeen besitzen die kurdischen Kämpfer keine GPS-Erkennung, die für eine Feind/Freund Auswertung wichtig wäre. Das heißt das die Kampfflugzeuge genau wissen müssen auf wen sie zu feuern haben - ansonsten treffen sie die falschen.
Desweiteren hat die ISIS ihre Strategie angepasst und operieren vor allem bei Nacht, außerdem werden keine langen Konvoys mehr gesichtet. Einzelfahrzeuge über eine weite Fläche verteilt sind schlechter zu lokalisieren und kein lohnendes Ziel für die Luftunterstützung. Die Stadt Kobane an der türkischen Grenze ist deswegen so wichtig, weil die ISIS mit ihrer Einnahme einen durchgehenden Streifen in Nordsyrien beherrschen würde und so eine geschlossene Front gegen Assad aufstellen könnte - während immer mehr neue Kämpfer ungehindert von der Türkei aus ins Kampfgebiet durchsickern können. Wie man sieht hat die ISIS-Führung ihre Anstrengungen strategisch gut durchdacht und als Motivation setzt sie eine pervertierte Version des Islam ein die immer mehr Mörder anlockt.
Die Koalition der Willigen hat mit ihrem Einmarsch im Irak 2003 den heutigen Führern der ISIS gezeigt, wie man ihnen ausweichen kann und welche Strategien vermieden werden sollten. Kämpft man lange genug gegen einen Feind, lernt man ihn kennen und wie wir aus dem Afghanistankrieg wissen bringen uns Luftangriffe gegen einen dezentral koordinierten Feind nicht weiter.
Die Türkei scheut weiterhin davor die kurdischen Kämpfer zu entlasten. Die letzten Jahre hat die Türkei darauf hingearbeitet eine tragende Macht im Nahen Osten zu werden. Unter Erdogan hat das Land inzwischen gewisse autokratische Züge entwickelt, Studentenproteste werden gewaltsam niedergeschlagen. Während kurdische Demonstrationen unterbunden werden, zeigen sich vermummte ISIS-Unterstützer unbehelligt auf den Straßen - das ist schon fast zu offensichtlich. Auch gibt es Hinweise, das Erdogan die ISIS Milizen jahrelang militärisch unterstützt hat und nun hofft das die ISIS sobald sie mit den Kurden fertig ist, direkt nach Damaskus weiterfährt um Assad abzusetzen, der aber momentan wieder zu einem wichtigen Partner der NATO im Kampf gegen die ISIS geworden ist. Da sieht man mal wieder wie schnell sich heutzutage die Interessenlage ändern kann.
Der Iran indessen sucht den Schulterschluss mit dem Westen um die ISIS ebenfalls zu bekämpfen, allerdings nicht aus reinem guten Willen. Der Iran hat sich durch Milizien und Politiker viel Einfluss im Irak gesichert, außerdem ist die Mehrheit der Bevölkerung schiitisch während die ISIS-Kämpfer aus Sunnischen Radikalen bestehen die am liebsten alle Ungläubigen tot und deren heilige Stätten verbrannt sehen wollen - einige iranische Tempel liegen auf irakischem Boden. Der Iran braucht eigentlich nur abzuwarten bis die NATO, die nur sehr wenig Einfluss im Irak geltend mache  kann, um Hilfe bittet. Das wiederum verärgert Saudi-Arabien, das ein erstarken des Iran verhindern möchte.
Ich hoffe es sind jetzt alle Klarheiten beseitigt und keiner weiß Bescheid? Für den Kampf gegen ISIS gibt es übrigens keinen Zeitplan, das heißt der Kampf könnte sich eine Weile hinziehen und viele weitere Opfer fordern, sollten die politischen Ränkespiele in der Region weiter anhalten.


Hong Kong vs. Peking: 0:1


Die Blockaden sind vorbei. Die Drohungen des Regierungschefs  Leung Chun Ying haben gewirkt. Nur wenige Dutzend Demonstranten harrten vor den Regierungsgebäuden aus, nun sind auch sie verschwunden. Das sozialistisch-kapitalistische System in Peking hat mit Leung einen Punktsieg errungen und die Proteste für mehr Wahlfreiheit beendet und somit fürs erste durchgesetzt, das die Wahlkandidaten von Peking aus gestellt werden. So schön es sich auch angehört hatte, die Demonstration war keine Revolution. Auch die Übergriffe hielten sich in beiden Lagern in Grenzen, auch wenn angeheuerte Schlägertrupps hin- und wieder für Chaos sorgten. Allerdings haben die Studenten keine ihrer Forderungen erreicht: Leung Chun Ying ist weiter im Amt, obwohl sein Ansehen enormen Schaden genommen hat. Das Wahlrecht wird für die Wahl 2017 sicher nicht reformiert werden und das bedeutet das Peking auch die Kandidaten stellt. Im Internet äußerten sich viele Festlandchinesen negativ über die Demonstrationen - da das Netz aber zensiert wird, sind solche Aussagen schwer zu überprüfen. Immerhin haben die Studenten es geschafft seit 1989 wieder eine Demonstrationsbewegung auf die Straße zu schicken um die Hongkonger wachzurütteln.
Der große Gewinner aber ist mal wieder Peking. Ohne einen Finger zu rühren haben sich die Proteste von selbst erledigt und so kann die schleichende Vereinnahmung Hong Kongs weitergehen.


Die Gute Nachricht!


Die 5 größten Erzeuger von Palmöl haben einen großen Anteil an der Abholzung des Regenwalds. Nun haben sie dem Druck der Naturschutzorganisationen nachgegeben und für 12 Monate jegliche Abholzung in ihren Plantagen gestoppt.  In dieser Zeit werden  Umweltschutzorganisationen und Ökologen eine Studie namens High Carbon Stock (HCS) Study erarbeiten in der unter anderem erforscht werden soll wo und wie neue Plantagen entstehen können ohne die Biodiversität, die soziale Bedeutung und die Kohlenstoffeinlagerung zu gefährden. Ergo geht es darum nutzloses Land zu kultivieren das für die Palmölproduktion in Frage kommt und dabei die weitere Abholzung von Wäldern verhindern. Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, wird das abholzen der Wälder doch auch für die Unternehmen teurer da die Staaten und Eigentümer denen die Waldgebiete gehören immer höhere Preise für Konzessionen verlangen und viele Gebiete unter Schutz stellen.
Mit dieser kleinen guten Nachricht verabschiede ich mich für heute. Morgen geht es weiter mit dem Internet-Flash. Und denkt daran!  Informiert euch! Über alles! Hart!






MyBrainGlows auf Facebook

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen